Ursachen
Früher
oder später kommt wohl jeder Betroffene an den Punkt, an dem er sich
fragt, wie es eigentlich sein kann, daß Beschwerden vorhanden sind,
die sich jedoch organisch nicht nachweisen lassen. Spielt sich RDS vielleicht
doch im Kopf ab?
Bis heute
sind die Zusammenhänge, die zu RDS führen, nicht geklärt.
Diskutiert werden jedoch seit geraumer Zeit einige Faktoren, die ursächlich
sein könnten.
Man vermutet
heute, daß die Ursache für das Reizdarmsyndrom in der Wechselwirkung
zwischen Magen, Darm, Nervensystem und Psyche zu finden sind.
Störung
der Darmmotorik:
Um den Nahrungsbrei durch die Verdauungsorgane zu führen, benötigen
wir eine Muskulatur, die ringförmig um diese angeordnet ist. Sind
die natürlichen Bewegungen des Verdauungstraktes verändert,
spricht man von einer gestörten Aktivität. Diese kann zur Folge
haben, daß die Verdauungsbewegungen zu schnell oder zu langsam einsetzen.
Störung der Magen-Darm-Sensorik:
Es ist schon seit geraumer Zeit bekannt, daß RDS-Patienten über
eine erhöhte Reizempfindlichkeit in Magen und Darm verfügen.
Bei einem Meßverfahren wurde Betroffenen und Gesunden ein kleiner
Ballon in den Darm eingeführt, der dort langsam mit Luft gefüllt
wurde. RDS-Patienten reagierten bei weitem empfindlicher auf diesen Dehunungsreiz
als Gesunde. Inzwischen wurde nachgewiesen, daß sich diese erhöhte
Reizempfindlichkiet jedoch nur auf die Verdauungsorgane und nicht auf
andere Regionen des Körpers erstreckt. Schon eine geringe Dehung
im Dick- oder Dünndarm verursacht bei RDS-Patienten unangenehme Druckschmerzen,
die im Mast- oder Enddarm Stuhldrang provozieren. Die Schmerzen scheinen
unberechenbar und stellen für die Patienten eine enorme Beeinträchtigung
dar. Ursache für diese Überempfindlichkeit scheint eine Überempfindlichkeit
der Rezeptoren im Bereich des Darmes gegenüber Dehnungsreizen zu
sein.
Fehlfunktion
des zentralen Nervensystems:
Nach dem theoretischen Konzept der "Gehirn-Darm-Achse" besteht
zwischen dem Gehirn und dem Verdauungstrakt eine direkte Verbindung an
deren Funktion zahlreiche Überträgersubstanzen beteiligt sind
(Quelle: "Reizdarm - Was wirklich dahinter steckt" von T. Schleip
- siehe Bereich Literatur). Bei RDS-Patienten ist die Funktion dieser
Verbindung verändert. Als Folge dessen werden Dehnungsreize in Magen
und Darm vom Gehirn falsch verarbeitet und als Schmerzen wahrgenommen.
Psychische und seelische Störungen:
Die Wechselwirkung zwischen Magen, Darm und Psyche sind den meisten Menschen
bekannt (z.B. Durchfall vor einer Prüfung etc.).
Hierbei kommen zahlreiche mögliche Beeinträchtigungen in Frage.
Diese Reaktionen sind völlig normal und werden erst dann zum Problem,
wenn Sie in (abgeschwächter) Form plötzlich dauernd vorhanden
sind. Kann hierfür keine organische Ursache festgestellt werden,
spricht man von einer funktionellen Störung.
Ängste und Depressionen sind bei RDS-Patienten viel häufiger
anzutreffen als bei Gesunden. Da Ängste und Depressionen aber auch
bei vielen anderen funktionellen oder körperlichen Störungen
auftreten, geht man davon aus, daß sie eher Folge von als Ursache
für RDS sind. Daß Psyche und Seele jedoch gerade bei RDS-Betroffenen
eine große Rolle spielen muß, zeigt schon die Tatsache, daß
RDS-Patienten deutlich öfters auf Placebos ansprechen als andere.
Depressionen, das Gefühl der Überforderung oder die Unfähigkeit,
Emotionen zu zeigen scheinen bei der Entstehung der Krankheit eine große
Rolle zu spielen.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien:
Untersuchungen haben gezeigt, daß fast jeder RDS-Patient ein Nahrungsmittelbestandteil
aus der Gruppe der Kohlenhydrate nicht verträgt. Auch Nahrungsmittelallergien
oder frühere Darminfektionen können eine Rolle spielen.
Können Kohelnhydrate aufgrund eines Enymdefektes im Darm nicht vollständig
aufgenommen werden, hat dies zur Folge, daß diese unverändert
in den Dickdarm gelangen um dort von Bakterien zersetzt zu werden. Bei
diesem Vorgang entstehen Gase und Fettsäuren die für eine erhöhte
Gasansammlung im Darm, eine schmerzhafte Ausdehung der Darmwände
sowie Blähungen verantwortlich sind. Die Fettsäuren erhöhen
außerdem die Darmbewegung und verursachen so Durchfall. Des weiteren
ziehen die Kohlenhydrate Wasser aus dem Gewebe in den Darm und erhöhen
so das Stuhlvolumen.
Die bekanntesten Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei RDS-Betroffenen
sind Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) und Fruchtzuckerunverträglichkeit
(Fruktoseintoleranz). Beide Unverträglichkeiten sollten unbedingt
abgeklärt werden (Tests bzw. Suchdiäten helfen dabei). Wird
eine solche Unverträglichkeit festgestellt und reduziert der Betroffene
den entsprechenden Nahrungsbestandteil, ist schon nach wenigen Wochen
eine Besserung der Symptome zu beobachten.
Auch Nahrungsmittelallergien spielen im Zusammenhang mit RDS eine große
Rolle. Wird eine solche Allergie nicht erkannt und das betroffene Nahrungsmittel
weiter konsumiert, ist die Wahrscheinlichkeit ein Reizdarmsyndrom zu entwickeln
sehr hoch. Eine gründliche Allergologische Untersuchung ist daher
angeraten.
Genußmittel:
Genußmittel wie Alkohol, Koffein oder Nikotin lösen im Körper
Mechanismen aus, die die Symptome funktioneller Störungen zusätzlich
verstärken.
Medikamente:
In den letzten Jahren hat man auch herausgefunden, daß die (regelmäßige)
Einnahme unterschiedlicher Medikamente die Entstehung von RDS stark beeinflussen
kann. Obwohl diese Nebenwirkungen oftmals in den beiligenden Produktinformationen
erwähnt werden, schenken wir diesen zu wenig beachtung. Des weiteren
enthalten viele Medikamente Milchzucker und/oder abführenden Fruchtzucker.
Aspirin sollte von RDS-Patienten wegen möglicher Schädigungen
von Magen- und Darmschleimhaut nur in besonderen Fällen eingenommen
werden.
Darminfektionen:
Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, daß das Risiko nach einer
Darminfektion eine funktionelle Magen-Darm.Störung zu entwickeln,
deutlich erhöht ist. Die Gefahr nach einem infektionsbedingten Durchfall
an RDS zu erkranken ist umso größer, je länger der Durchfall
besteht.
Meine
ganz persönliche, kritischere Definition:
Der Beschwerdekomplex, der gemeinhin als RDS bezeichnet wird, fasst für
mich eine Vielzahl von Leiden zusammen, die sehr oft ihren Ursprung in
der Psyche haben, sich aber unbestreitbar in physischen Beschwerden ausdrücken
und für die die Schulmedizin (noch) keine weitere Definition parat
hat - quasi eine Sammlung allen internistischen Elends, das nicht in vorhandene
Kategorien passen will, sich immer aber durch eine Kombination von psychischen
und physischen Leiden auszeichnet.
Für
diese These spricht für mich auch die Vielzahl oft unterschiedlichster,
teilweise sogar gegensätzlicher Symptome (z.B. "Durchfalltyp"
<=> "Verstopfungstyp") und die sehr unterschiedlichen
Krankheitsverläufe (der eine hat Schmerzen, der andere nicht, der
eine leidet an Übelkeit, der andere nicht, der eine hat Durchfall,
der andere Verstopfung, der Dritte hat es im Wechsel usw.) aber auch die
unterschiedlichen Therapieansätze (dem einen hilft Sport, dem anderen
nicht, bei dem einen scheint alles mit einer Laktose- oder Fruktoseintoleranz
zusammenzuhängen, der andere verschlingt Käse kiloweise und
sagt es tut ihm auch noch gut etc.).
Folglich
gibt es für mich nicht DAS RDS, sondern nur diese nebulöse Sammlung
unterschiedlichster Beschwerden, die sich allerdings alle durch eines
auszeichnen und an einem Punkt eine entscheidende Gemeinsamkeit aufweisen:
Ermöglicht werden diese Beschwerden durch die sehr enge Verbindung
Gehirn <=> Darm, über die man leider noch immer viel zu wenig
weiss (siehe z.B. "Der kluge Bauch" von M. Gershon im Literaturbereich).
Nicht umsonst heisst es "Liebeskummer schlägt mir auf den Magen"
und nicht umsonst sitzt ein grosser Teil aller Menschen vor Prüfungen
ausgiebiger als sonst auf der Toilette.
Das Problem
der Schulmedizin kommt für mich genau hier zum tragen: Man weiss
zu wenig (Hirn-Darm-Achse) und es fehlt der ganzheitliche Ansatz! Der
Internist macht da z.B. diverse endoskopische Untersuchungen, untersucht
den Stuhl, macht ein Blutbild etc. pp. und kommt letztendlich zu dem Schluss:
Der Patient ist völlig gesund!
Da der Patient aber unbestritten leidet, kann er nur bekloppt sein - also
ab zum Psychiater. Der Psychiater wiederum beschäftigt sich kaum
mit organischen Leiden und tendiert daher im speziellen Fall RDS leicht
dazu, Symptombekämpfung zu betreiben. Da geht man dann z.B. gegen
vorhandene Ängste vor, die sich zwischenzeitlich manifestiert haben
(was unbestritten sinnvoll ist) und ist sich sicher, damit das Übel
an der Wurzel zu packen, aber wo kommen denn die Ängste her? Sind
wirklich Ängste Auslöser unserer Beschwerden oder haben nicht
viel mehr unsere organischen Beschwerden und unser Leidensdruck diese
Ängste erst entstehen lassen?
Begünstigt
werden die RDS-Leiden meiner Meinung nach durch zahlreiche Faktoren, die
man schon heute klar benennen kann, man darf aber auch hierbei nicht aus
den Augen verlieren, dass nicht jeder dieser Faktoren wieder auf jeden
zutreffen muss - dazu ist, wie bereits erwähnt, der Beschwerdekomplex
zu umfangreich:
- Stress
(negativer Stress)
- Ängste
(Angst, zu versagen, Angst, es niemandem recht machen zu können,
Angst, zu enttäuschen...)
- Mangelndes
Selbstwertgefühl (nicht zu verwechseln mit Selbstbewusstsein - viele
Betroffene sehen für andere so aus, als könnte sie nichts umhauen,
werden diesem Bild aber im Innern gar nicht gerecht)
- Unverträglichkeiten
und Allergien (ein wichtiger Faktor - aber eben nur einer und für
mich kein alleiniger Auslöser)
- Zu wenig
Bewegung (wir fordern unseren Körper nicht, wir geben ihm quasi "nichts
zu tun")
- Mangel
an Ordnung und geordneten Abläufen (ich halte Rituale und gewohnte,
immer gleiche Abläufe für extrem wichtig, geben diese doch immer
ein Gefühl von Sicherheit, in unserem stressigen Alltag verschwinden
diese aber immer mehr)
- Veränderungen
und Einschnitte (der Tod eines lieben Menschen oder der Verlust der Arbeit
etc. - nicht immer schaffen wir es, solche Ereignisse adäquat zu
verarbeiten - siehe Hirn-Darm-Achse)
- Unzufriedenheit
und Unglück
- Schlechte
und unausgewogene Ernährung
So komplex
wie die begünstigenden Faktoren sind (ich habe sicher welche vergessen)
muss aber auch eine erfolgversprechende Therapie sein.
Der Schlüssel ist (und jetzt komme ich von der eigentlichen Definition
von RDS ab) meines Erachtens der ganzheitliche Ansatz, der sowohl Psyche
als auch Physis aber vor allem das Individuum berücksichtigt und
erkennt, dass nur ein Gleichgewicht aller Faktoren - also auch eine gleichzeitige
Therapie von Körper und Geist - zum Erfolg führen kann.
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