Therapie

Ziel einer Behandlung von RDS sollte sein, langfristig die Beseitigung der Beschwerden und die damit verbundene Besserung der Lebensqualität zu erreichen. Vielleicht gelingt es vielen RDS-Patienten niemals ganz zu gesunden aber das Reizdarmsyndrom und die damit verbundenen Beeinträchtigungen sollten zumindest nur noch eine untergeordnete Rolle im Leben des Betroffenen spielen.

Die Therapie von RDS basiert nach heutigem Erkenntnisstand auf vier Bereichen:

1. Ernährung
2. Medikamente u.ä.
3. Psychotherapie
4. Bewegung

1. Ernährung

Neueste Studien haben gezeigt, daß jeder zweite Betroffene bereits durch diätische Maßnahmen eine deutliche Besserung der Symptome verspürt. Wichtig hierbei ist das Austesten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten (siehe auch Bereich "Ursachen") und deren Berücksichtigung im täglichen Leben. Es gilt herauszufinden, auf welche Nahrungsmittelbestandteile und welche Menge davon der Betroffene überempfindlich reagiert und diese zu meiden.

Fast immer im Spiel bei RDS ist eine Milchzuckerunverträglich-keit (siehe Bereich "Ursachen"). Diese kann u.a. Mithilfe des H2-Atemtests vom Arzt nachgewiesen werden.

Ebenfalls abgeklärt werden sollte eine Fruchtzuckerunverträg-lichkeit über eine Suchdiät. Fruchtzucker ist natürlicher Bestandteil von Früchten und vielen Gemüsesorten. Da Fruchtzucker oftmals als Zuckeraustauschstoff in diätischen Lebensmitteln verwendet wird, gilt es auch hier aufmerksam zu sein.

RDS-Betroffene sollten zur Linderung ihrer Beschwerden außerdem den Fettkonsum deutlich senken. Die Verringerung des Fettkonsums führt auch zu einer Verringerung von Häufigkeit und Schwere durchfallartiger Beschwerden sowie von krampfartigen Schmerzen. Fett ist ein schwer verdaulicher Nahrungsmittelbe-standteil und für RDS-Betroffene ist es unumgänglich, diesem erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.

Tipps zur Ernährung:

- Zum Braten ausschließlich beschichtete Pfannen benutzen um Fett zu sparen
- Konsum von Butter und Margarine reduzieren
- Gehärtete Margarine und Mayonnaise meiden
- Tierische Lebensmittel reduzieren
- Mageres Fleisch bevorzugen (z.B. Geflügel)
- Fleisch nach dem Braten abtropfen lassen
- Wurstsorten mit hohem Fettgehalt meiden (z.B. Leber- und Bratwurst)
- Maximale ein- bis zweimal die Woche Fleisch essen
- Fleisch durch Fisch ersetzen (z.B. Zander, Kabeljau und Barsch)
- Nüsse meiden
- Brot ohne Sonnenblumenkerne, Nüsse, Sesam oder Mohn kaufen
- Frittiertes meiden
- Hülsenfrüchte und Kohl meiden
- Verstopfungstyp: Balaststoffreich ernähren
- Durchfalltyp: Nicht zu balaststoffreich ernähren
- Natriumglutamat (Geschmcksverstärker) meiden
- Künstliche Süßstoffe meiden
- Scharfe Gewürze wie Pfeffer oder Curry meiden
- Blähende Lebensmittel wie Beerenobst, Steinobst oder Hefe meiden
- Zitrusfrüchte und deren Säfte und Apfelsaft meiden
- Starken Zuckerkonsum meiden
- Empfehlenswert ist kohlensäurearmes Wasser und Kräutertee (Kamille, Fenchel etc.)

2.1 Medikamente

Eines vorweg: Es existiert bis heute kein Medikament, welches die Beschwerden einer funktionellen Störung vollständig beseitigt. Eine Heilung von RDS durch Medikamente ist folglich (zumindest noch) nicht möglich, wohl aber eine Linderung der Symptome.
Es bleibt zu hoffen, daß schon aufgrund der großen Anzahl Betroffener weiter geforscht wird und einige Pharmafirmen haben auch schon erste Medikamente präsentiert, welche aber noch nicht über eine Zulassung verfügen bzw. welchen die Zulassung wieder entzogen wurde. Über dieses Thema wird auch in unserem Forum ständig geredet und dort findet Ihr auch die neuesten Informationen hierzu.

Oberbauchschmerzen, Sodbrennen:

Zur Linderung von Beschwerden, bei denen eine Überproduktion von Magensäure eine Rolle spielt, kommen säurehemmende oder säurebindende Medikamente in Frage. Säurebindende Medikamente (s.g. Antazida) sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Säurehemmende Medikamente verschreibt der behandelnde Arzt sofern sinnvoll.

Druck- und Völlegefühl, Übelkeit, frühes Sättigungsgefühl:
Zur Therapie motorisch bedingter Magenstörungen wurden so genannte Prokinetika entwickelt. Die Präparate beschleunigen die Magenentleerung und wirken Völlegefühl entgegen (z.B. Metoclopramid oder Domperidon). Diese Medikamente sollten ausschließlich im Bedarfsfall und auch nur kurzfristig angewendet werden. Weitere Informationen erhaltet Ihr über Euren behandelnden Arzt.

Durchfall und spontaner Stuhldrang:

Zur Behandlungen von diesen Symptomen stehen zwei Medikamentengruppen zur Verfügung: Antidiarrhoika und Quellmittel. Antidiarrhoika verlangsamen die Darmtätigkeit, was es dem Körper ermöglicht, Wasser verstärkt aus dem Darm aufzunehmen. Zu erwähnen ist hier vor allem der Wirkstoff Loperamid (z.B. Imodium). Die Präparate sind teilweise rezeptfrei erhältlich und gut wirksam, sollten aber nur in kleineren Mengen und über kurze Zeiträume eingenommen werden.
Quellmittel (eigentlich kein Medikament) eignen sich ebenfalls sehr gut um Ruhe in einen gereizten Darm zu bringen. Natürliche Quellmittel wie Flohsamen oder Karayagummi sind ein Ersatz für Balaststoffe, werden jedoch kaum bakteriell zersetzt und verursachen daher keine lästigen Nebenwirkungen. Wichtig ist, Quellmittel immer mit ausreichend Wasser einzunehmen, um eine Verklebung in Speiseröhre oder Darm zu vermeiden. Quellmittel besitzen eine hohe Wirksamkeit bei Magen-Darm-Beschwerden und sollten in jedem Falle ausprobiert werden.

Verstopfung und Völlegefühl:

Bei Verstopfung im Rahmen eines Reizdarmssyndroms können Abführmittel (Laxanzien) und ebenfalls Quellmittel Linderung verschaffen. Beim Einsatz von Abführmitteln sollten wasserbindend wirkende bevorzugt werden, da diese dem Darm Wasser aus dem Gewebe zuführen können. Auch bei der Verwendung von Abführmitteln sollte viel getrunken werden, da die Gefahr des Flüssigkeitverlustes besteht.

Krampfartige Schmerzen:
Empfehlenswert sind Spasmolytika, welche krampflösend wirken indem sie die glatte Muskulatur des Darms entspannen (z.B. Duspatal von Solvay).Eine besonders günstige Wirkung auf den Dickdarm soll der Wirkstoff Mebeverin haben, welcher von RDS-Patienten bevorzugt werden sollte.

Blähungen und Völlegefühl:
Diese Symptome lassen sich am besten mit entschäumenden Präparaten lindern, wobei auch die Spasmolytika (siehe oben) eine positive Wirkung auf Blähungsbeschwerden haben. Die entschäumenden Medikamente enthalten den Wirkstoff Dimeticon und sind meist rezeptfrei erhältlich.

Zukunftsmusik...
Derzeit forschen mehrere Pharmafirmen an Wirkstoffen, die die Schmerzempfindlichkeit der Eingeweide (und hier vor allem von Magen und Darm) nachhaltig senken.
Derzeit existieren zwei Medikamente in diesem Bereich: Alosetron (ein 5-HT3-Rezeptor-Antagonist), welches aus ungeklärten Ursachen jedoch nur bei Frauen wirkt. Alosetron verlangsamt die Verdauungsbewegung des Dick- oder Dünndarms, wurde nach einigen Monaten im Jahr 2000 in Amerika jedoch wieder vom Markt genommen, da es vereinzelte aber sehr schwer wiegende Nebenwirkungen verursachte. Des weiteren existiert eine Substanz mit der Bezeichnung Tegaserod (ein 5-HT4-Rezeptor-Agonist), welche in Studien bei RDS-Patienten des Verstopfungstyps schon nach wenigen Tagen die Magen-Darm-Tätigkeit normalisiert. Bei etwa der Hälfte der Patienten soll nach einer zwölfwöchigen Therapie den Stuhl und die Stuhlhäufigkeit regulieren. Eine Zulassung für den europäischen Markt ist bereits beantragt.

Wahre Wunder bei RDS-Beschwerden bewirken übrigens auch indische Flohsamenschalen, die regulierend in die Darmtätigkeit eingreifen. Eine Übersicht zum Thema Flohsamenschalen haben wir hier zusammengestellt.

2.2 Homöopathie (Autorin: Anne Hoffmann)

Besonders bei der Diagnose "Reizdarm" sind viele Ärzte ratlos, die Beschwerden scheinen zu komplex, als dass man diese optimal behandeln kann. Oft werden schulmedizinische Therapien mit Medikamenten angesetzt, die ohne Wirkung bleiben oder deren Erfolg langsam aber bestimmt nachlässt. Das bringt viele RDS-Patienten zur Verzweiflung.
Homöopathische Heilmittel können in diesen Fällen die Lösung sein: In der Homöopathie vergleicht man, um die richtige Arznei zu finden, die Symptome einer Krankheit mit den Wirkungen der Substanz, die bei einem gesunden Menschen ähnliche Krankheitserscheinungen hervorruft. Die Basis der Homöopathie ist die Ähnlichkeitsregel: "Ähnliches möge mit Ähnlichem geheilt werden." Verursacht ein homöopathisches Mittel bei einem Gesunden chronische Durchfälle, so kann es den kranken Durchfallpatienten heilen.
Um das richtige Medikament zu finden, müssen alle typischen Symptome des Kranken beachtet werden. Die Homöopathie wendet sich an den ganzen Menschen, deshalb ist sie gerade auch bei Reizdarm und psychosomatischen Beschwerden wirkungsvoll.
Als Arzneisubstanzen werden Pflanzen, Mineralien und tierische Wirkstoffe verwendet. Heilend ist allerdings nicht die Substanz selbst - sie wird es erst durch ihre besondere Aufbereitung (Potenzieren). "Nux vomica" aus der Brechnuss beispielsweise ist ein Mittel für reizbare Menschen.
Alle homöopathischen Mittel gibt es in verschiedenen Potenz- bzw. Verdünnungsstufen.

Hier einige wirksame homöopathische Heilmittel, bei Reizdarmsymptomen:

Blähungen:
Chamomilla D4 (Blähungskolik), Carbo vegetabilis D6 (starke Blähungen), Lycopodium D 12 (gespannter Leib), Asa foetida D12 (dauerndes Aufstoßen, stinkende Winde), Nux vomica D6 (Blähungskoliken)

Chronische Verstopfung:
Magnesium phosphoricum D4 (bei starken Verkrampfungen), Alumina D6 (bei schmerzhaften und anstrengenden Stuhlgängen), Nux vomica D4 (bei vergeblichem Stuhldrang und Magen- Darmkrämpfen), Plumbum metallicum D6 (bei spastischer Verstopfung), Magnesium muriaticum D6 (bei Bauchschmerzen und stinkenden Winden)

Durchfall:
Veratrum album D6 (bei stark wässrigen Durchfällen, die sehr erschöpfen), Chamomilla D6 (bei hellem Stuhl und geblähten Bauch), Arsenicum album D12 (wenn der Durchfall von starken Elendigkeitsgefühlen und Schweißausbrüchen begleitet wird), Podophyllum D4 (bei starken Magenkoliken und Leere-Gefühl im Bauch)

Bauchschmerzen:
Colocynthis D6 (bei krampfartigen Schmerzen, die zum Zusammenkrümmen zwingen), Magnesium phosphoricum D3 (bei kolikartigen Schmerzen, die sich durch Wärme und auf Druck bessern), Belladonna D4 (bei Schmerzen, die kommen und gehen)

Erbrechen:
Tabacum D6 oder Veratrum D6 (bei Erbrechen mit kaltem Schweiß), Ipecacuanha D6 (bei Elendigkeitsgefühl im Magen)

Hämorrhoiden:
Hamamelis D4 oder Paeonia D4 (bei schmerzhaften Hämorrhoiden, feuchten Absonderungen, Schmerzen während des Stuhlgangs und danach), Sulfur D6 (wenn die Hämorrhoiden nachts jucken)

Sodbrennen:
Nux Vomica D6 (wenn man dazu neigt, viel zu essen), Argentium nitricum D6 (bei starkem Verlangen nach Süßem, das aber nicht vertragen wird), Natrium phosphoricum D6 (bei saurem Aufstoßen)

Nähere Informationen:
· Zentralverband Ärzte für Naturheilverfahren
Promenadenplatz 1, 72250 Freudenstadt
· Projekt Patienteninformation für Naturheilkunde c/o UFA-Fabrik
Vikoriastraße 13-18, 12105 Berlin

3. Psychotherapie (Autorin: Anne Hoffmann)

Die Verdauung läuft unbewusst ab, trotzdem haben viele Faktoren Einfluss auf Magen und Darm - vor allem die Psyche. Jeder kennt Sprichwörter wie "Das schlägt mir auf den Magen" oder "Das muss ich erst einmal verdauen". In diesen Sinnsprüchen steckt viel Wahrheit, denn all das, was wir nicht richtig verarbeiten (zum Beispiel Konflikte und Stresssituationen), belastet uns und damit auch unseren Körper.
Magen und Darm leiden besonders darunter, das Verdauungssystem reagiert vielleicht nicht sofort, aber langsam macht es uns Probleme - obwohl wir davon meist schon genug haben. Wir sind angespannt, kontrollieren uns ständig, sind gestresst, haben Kummer, setzen uns ständig unter Druck - das kann nicht ohne Folgen bleiben.
Das Thema "Psychotherapie" stößt nicht bei allen Reizdarmpatienten und Ärzten auf offene Ohren. Doch wir wissen: Reizdarm kommt nicht von heute auf morgen. Meist bekommen Betroffene die Symptome, wenn sie in einer besonders belastenden Lebenssituation sind. Haben Magen und Darm sonst ohne Probleme mitgemacht, schalten sie jetzt auf stur und entwickeln funktionelle Störungen, die sich lange Zeit manifestieren.
Die Psychotherapie kann sicher keinen Reizdarmpatienten heilen, aber sie kann helfen, besser mit der Krankheit umzugehen und eventuell unbewusste Verhaltensweisen unserem Bewusstsein zugänglich zu machen. Zumeist steckt hinter all den Beschwerden viel mehr, als man anfangs angenommen hat. Haben Sie aus Wunsch nach Harmonie immer alle Probleme herunter geschluckt oder versucht, sich selbst die Schuld zu geben? Sind Sie nicht in der Lage, Konflikte auszutragen, ihre Aggressionen heraus zu lassen? Eine Therapie kann Ihnen helfen, neue Wege zu gehen und das tut Ihrem Körper auch gut.
Essgestörte (Magersucht, Bulimie etc.) beispielsweise leiden sehr oft unter Reizdarm, auch wenn sie schon auf dem Weg der Besserung sind. Bei ihnen liegt eine tiefe seelische Störung vor, dieser muss auf den Grund gegangen werden. Gespräche mit einem Psychologen und Psychotherapeuten sind in diesem Fall also besonders wichtig.
Dennoch steht eines fest: Sinnvoll ist eine Psychotherapie nur dann, wenn diese auch medizinisch begleitet wird. Wer sich den ganzen Tag vor Schmerzen windet, starke Durchfälle oder Verstopfungen hat, der hat manchmal keine Kraft mehr zum Reden.

Einen Therapeuten in Ihrer Nähe finden Sie beim Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen unter
www.bdp-verband.org
.

4. Bewegung

Bewegung ist eine wichtige Säule im Kampf gegen RDS.
Natürlich ist Bewegung "gesund" aber wichtig für viele RDS-Betroffene ist hierbei vor allem das Abschalten, das "Den-Kopf-frei-bekommen".
Besonders geeignet scheinen deshalb im Gegensatz zu hektischen Sportarten wie Squash oder Tennis auch gerade Ausdauersportarten wie Jogging oder Schwimmen zu sein, wobei auch hier der Spass und das persönliche Wohlbefinden stehen sollte und man deshalb nur schwer pauschalieren kann.
Zwar berichten Betroffene vereinzelt von Schmerzen beim Sport, die große Mehrheit fühlt sich beim regelmässig betriebenen Sport allerdings sehr gut - einen Versuch sollte es sicher wert sein!



5. Mein ganz persönlicher, ganzheitlicher Therapieansatz (Autor: Steffen Ebert)

Vorneweg die obligatorische Anmerkung: Was mir hilft muss Dir (leider) nicht unbedingt auch helfen (siehe "Berücksichtigung des Individuums" weiter oben) und wenn Du jetzt eine Zauberformel erwartest, muss ich Dich enttäuschen - Du wirst - zumindest als Leser unseres Forums - nicht viel Neues hören!

Erste Säule: Die "klassischen" Therapieansätze

1. Ausdauersport/Bewegung
Ich habe - wie ganz oben beschrieben - mit dem Laufen angefangen; in erster Linie nicht um fit im klassichen Sinne zu werden, sondern um meinen Kopf frei zu bekommen und ich laufe deshalb auch grundsätzlich alleine und in schöner Umgebung im Wald. Nebenbei hat die regelmässige Bewegung aber sicher auch einen regulativen Einfluss auf meine Verdauung. Wichtig war hier für mich konsequent zu sein. So laufe ich seit ca. 3 Jahren (Stand Ende 2004) mindestens 2 eher 3 mal 45-60 Minuten die Woche. Ich fahre heute nicht Fahrstuhl, sondern ich nehme die Treppen etc.

2. Diät
Ich habe durch eine Suchdiät und "trial and error" herausgefunden, was mir bekommt und was nicht, und kann heute kaum noch glauben, wie "kopflos" ich früher gegessen habe. Ich achte auch viel stärker auf die Qualität der Lebensmittel, die ich zu mir nehme (lieber einmal die Woche Fleisch vom Bio-Bauern als fünf mal die Woche aus dem Supermarkt). Meine Ernährungsumstellung trägt sehr zu meinem Wohlbefinden bei, aber auch hier ist Konsequenz gefragt.

3. Allergien und Unverträglichkeiten abklären
Ich habe bei mir diverse Lebensmittelallergien und eine Laktoseintoleranz feststellen müssen. Die konsequente Vermeidung der entsprechenden Lebensmittel hilft mir ebenfalls sehr.

4. Stressabbau
Ich habe meine Arbeitszeit halbiert (früher 90+ Stunden/Woche) und bin von der Stadt aufs Land umgezogen (siehe hierzu auch die zweite Säule weiter unten).

5. Positive Ablenkung
Ich habe immer regelmässig versucht, meinen kopf frei von meinen Beschwerden zu bekommen. Am besten gelingt dies meiner Meinung nach durch positive, angenehme Ablenkung. Ich habe mich also 2001 hingesetzt und mir bewusst ein neues Hobby überlegt, in dem ich so aufgehen kann, dass ich meine Beschwerden (zumindest zeitweise) vergessen kann.
Für mich war und ist dies die Fotografie, die mich bald so begeistert hat, dass ich mir immer öfter sagte "da muss dein Darm jetzt mal ganz stark sein, sonst hat er eben Pech, denn ich WILL jetzt da und dort hin um Fotos zu machen!" und das hat erstaunlich gut funktioniert. Meine "Ausflüge" wurden immer länger und waren fast immer beschwerdefrei.

6. Ausdiagnostizieren
Ich habe alle auf dieser Homepage beschriebenen schulmedizinischen Untersuchungen (teilweise mehrmals) über mich ergehen lassen, um ganz sicher zu gehen, dass meine Beschwerden nicht eine andere - vielleicht sogar schwerwiegendere - Ursache haben (Stichwort "Ausschlussdiagnose"). Zwar ist es nicht schön, nicht wirklich eine Diagnose zu bekommen und sicher zu wissen was man hat (das weisst Du wahrscheinlich inzwischen so gut wie ich), andererseits ist es aber auch durchaus positiv und gibt es ein Gefühl von Sicherheit, zu wissen, dass man keinen Darmkrebs, keinen Bauchspeicheldrüsenkrebs, keinen Magenkrebs, keine Colitis Ulcerosa, keinen Morbus Crohn und keine eingeschränkte Lebenserwartung hat!

7. Ritualisierung
Ich habe mir zahlreiche Rituale geschaffen und habe damit nicht nur Sicherheit gewonnen, sondern unter anderem auch meinen Darm erzogen (so gehe ich z.B. immer zu festen Zeiten zur Toilette).

Vielleicht hast Du jetzt - wie Eingangs angedroht - nicht viel Neues gehört. Wichtig ist aber auch bei der Umsetzung dieser Therapieansätze der Kopf (und das meines Erachtens wahrscheinlich sogar unabhängig davon, ob das individuelle RDS-Leiden mit dem Kopf zu tun hat oder nicht - siehe Punkte 1, 4 und 5).

Zweite Säule: Verstehen, akzeptieren, verarbeiten - das Ich

Über das Prinzip der ganzheitlichen Betrachtungsweise habe ich ja schon an anderen Stellen dieser Seiten einiges gesagt. Für mich ist dies der Schlüssel zu meinem siegreichen Kampf gegen RDS gewesen.

Ich halte es hierbei für wichtig, nicht blind die erfolgversprechendsten Massnahmen (Stressreduzierung, mehr Sport, Diät s.o.) zu ergreifen, sondern erst einmal zu versuchen, sich selbst und die eigene Problematik zu begreifen und zu AKZEPTIEREN. Wenn früher Leute gesagt haben, sie hätten erst einmal lernen müssen ihre Krankheit (welche auch immer) zu akzeptieren, wusste ich nie, was das bedeutet - heute weiss ich das ganz genau!

Im Detail heisst das für mich, dass ich ersteinmal habe herausfinden müssen, was denn eigentlich falsch läuft in meinem Leben und ich habe lernen müssen, zu akzeptieren, dass in meinem Leben überhaupt etwas falsch läuft. Dieser Rechercheprozess hat wirklich viel Zeit in Anspruch genommen; ich glaube, dass dies vor allem daran liegt, dass man selbst eben irgendwann - was die eigene Person angeht - eine Art "Betriebsblindheit" entwickelt. Was ich damit sagen will, ist, dass es unter Umständen sehr schwer sein kann, eigene Verhaltensweisen aber auch Charakterzüge als "schädlich" und "schlecht" zu definieren, die einen doch selbst seit Jahren auszumachen scheinen und die nie - subjektiv betrachtet - negativ behaftet waren.

Ich habe sehr viel über mich und das Leben nachgedacht (eine der guten Seiten dieser Krankheit!), eigentlich jahrelang. Ich habe sehr viel hinterfragt - nicht zuletzt mich selbst. Ich habe gelernt, dass ich nicht immer ein "guter Mensch" war und sehr viel Schlechtes in mir getragen habe und all dieses Negative hat mich auch negativ beeinflusst.
In einem Buch von Albom heisst es, dass wir Hass als Schutzschild benutzen, dass wir mit unserem Hass einen Menschen bestrafen wollen, der uns Böses tut, tatsächlich sei Hass aber immer ein Boumerang, tatsächlich strafen wir mit Hass immer zuerst uns selbst, erst zu verzeihen befreit.

Klingt fast schon nach einem religösen Ansatz, aber ich habe wirklich gelernt, dass mich positives Denken und der Versuch, ein besserer Mensch zu werden (und da habe ich noch einen langen weg vor mir) den entscheidenden Schritt weitergebracht hat. Wo ich früher dachte "das klappt nie" denke ich heute "klar klappt das" oder schlimmstenfalls "und wenn schon", wo ich früher dachte "das kann ich nicht, das schaffe ich nicht" denke ich heute "klar schaffe ich das" oder schlimmstenfalls "und wenn schon"...

Heute versuche ich unbedarfter zu leben, mir weniger Sorgen um morgen zu machen und lieber das Heute zu geniessen. Überhaupt lebe ich inzwischen viel mehr im Jetzt als im Gestern oder Morgen oder im Hätte, Wenn und Aber und wo ich früher immer zuerst einmal misstrauisch war, das Schlechte gesucht habe, gehe ich heute grundsätzlich (leider gelingt mir das noch nicht immer) vom Guten (auch im menschen) aus.

Für mich ist mein RDS ("ist", denn ich werde nach meiner persönlichen Definition immer RDS haben, auch wenn ich symptomfrei bin) rückblickend eine sehr direkte und unangenehme aber eben auch unüberhörbare Art meines Körpers gewesen, mir mitzuteilen, dass ich so nicht weitermachen kann, dass mein Leben so nicht funktioniert! Eine schlimmere Krankheit blieb mir bislang erspart und so sehe ich mein RDS als eine gelbe Karte, für die ich heute sogar in gewisser Weise dankbar bin.

So, das war ein etwas detailierterer Überblick und um gerade den zweiten Teil nach den klassischen Therapieansätzen vernünftig in Worte zu fassen, fehlt mir leider das Ausdrucksvermögen. Klar ist aber glaube ich geworden, dass es für mich nicht den einen Weg, die eine Massnahme gab und gibt, sondern nur ein Zusammenspiel aus vielen Massnahmen und Faktoren den Erfolg bringen konnte und bringt.

 



© 2006 rds-forum.de